SoSe 2016

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Das Interview als Recherche- und Inszenierungsmethode (Mareike Bernien)

Seminar

Listen… You are there. I’m here. At this moment I feel apart. (Jean Genet)

Ein Interview zu machen bedeutet zu sammeln, zu analysieren und zu dokumentieren. Aber jedes Interview stellt auch eine dramaturgische Inszenierung eines Gesprächs dar, die verschiedene Formen annehmen kann und die daran Beteiligten unterschiedlich verortet. So unterscheidet sich ein journalistisches Interview von einer wissenschaftlichen Erhebung, eine therapeutischen Szene von einem Bewerbungsgespräch oder einem Verhör. Wann wird das Interview zum Gespräch, wann zum Dialog, wann zum freien Sprechen? Welche Positionen und welche Machtverhältnisse werden darin jeweils hergestellt? Wie lassen sich diese Situationen gestalten und durchqueren? Wie lässt sich das Fragen, aber auch das genaue Zuhören üben? Entlang von Texten und Sichtungsbeispielen wollen wir nach verschiedenen Formaten und Techniken des Interviews fragen. Dabei wird das Interview als Möglichkeit künstlerischer Recherche aber auch als narratives Verfahren vorgestellt. Zudem sollen reflexive Spielarten des Befragens geprobt werden.

Dienstag, 03.05., 17.05., 31.05., 05.07., jeweils von 10:00 – 13:30 Uhr

Raum: 0325

 

Praktiken der Abstraktion: Kunst / Geld / Digitalität (Johanna Schaffer)

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In der Vorlesung werden Arten des kritischen Sprechens über verschiedene Praktiken der Abstraktion vorgestellt. Alle verstehen sie Abstraktion als Abstandnahme vom Materiell-Spezifischen, um allgemeine, vergleichbare, austauschbaren Einheiten zu gewinnen – rein operative Zeichen. Aber wo geraten wir hin, wenn wir das Nachdenken über Praktiken der Abstraktion in der Kunst kurzschließen mit der marxistisch inspirierten Einsicht über Geld und einem medientheoretischen Sprechen über Digitalität als Abstraktion? Die Vorlesung führt diese drei Praxis-Terrains zusammen, um die Allgegenwärtigkeit der Abstraktion materiell und konkret zu machen. Denn die Frage ist, wie gesellschaftliche Hierarchien, die durch Abstraktionen unterstützt werden, antikapitalistisch, queer-feministisch und antirassistisch / postkolonial durchkreuzt werden können. (Scheinerwerb: Impulsreferat oder dreiseitige schriftliche Arbeit)

Dienstags, 26.04., 10.05., 24.05., 07.06., 21.06., 28.06. jeweils von 10.15 – 13.00 Uhr

Raum: 0325

Plakat: Milena Albiez

<24.05.>  Zu Gast: Oliver Leistert, “Digitalität”

Wenn man Digitalität als Zeichen, Symbole, Farben, Bilder usw versteht, die durch parametrisierte Modulation von Energie festgestellt und transportiert werden, dann wird klar, dass Digitalität und Abstraktion in einem engen Verhältnis stehen. Und es fällt dann auch auf, dass Digitalität stets auf eine Verdrängung materieller und energetischer Dimensionen angewiesen ist, die Digitalität als “immateriell” überhaupt erst freistellen.

Ich werde also einerseits über die notwendigen Voraussetzungen sprechen, die es möglich machen, dass wir überhaupt von “Digitalität” als analytischer Kategorie sprechen können. Dabei werde ich Infrastruktur, Standards, Topologie, Protokolle. Cluster usw. thematisieren. Ich werde darstellen, dass der gesamtgesellschaftliche Aufwand zur Produktion von Digitalität nur mit einer enormen gesellschaftlichen Mobiliserung glückt, in deren Axiomatik sich Regierungsprogramme wie Konkurrenz und Leistung tief einschreiben.

Gleichzeitig will ich der Frage nachgehen, wieso digitale Abstraktion im Sinne einer berechenbaren Zeichenproduktion und -zirkulation ein wesentliches Betriebsschema und ein Vektor neoliberaler Globalisierung ist. Hier wird es um die Vorgänge Konnektion vs. Konjunktion gehen, die, so die These, die Formatierung und Verteilung von Spaltung (Konnektion) und Werden (Konjunktion) regieren.

Oliver Leisterts Forschungsschwerpunkte sind Social und Mobile Media, Überwachung und Protestmedien, sowie Affekt und Medientechnologien, und verstärkt Fragen von Medien-, Technik-, sowie „Allgemeinen Ökologien“. Er erhielt den Surveillance & Society Book Award 2014 für sein Buch „From Protest to Surveillance – The Political Rationality of Mobile Media“, sowie den Surveillance & Society Paper Award 2014 für seinen Aufsatz „Resistance against Cyber-Surveillance within Social Movements and How Surveillance Adapts“. Er ist Mitglied im Advisory Board des ESRC geförderten Forschungsprojektes „Digital Citizenship and Surveillance Society: UK State-Media-Citizen Relations after the Snowden Leaks“ der University Cardiff und im von der DFG geförderten Wissenschaftlichen Netzwerk „Affect and Psychotechnology Studies“.

Kolloquium der Theorie und Praxis (Johanna Schaffer, Mareike Bernien)

Das Kolloquium ist ein Treffen all derjenigen, die schon im Arbeitsbereich Theorie und Praxis vertieft studieren oder interessiert an diesem sind. Gemeinsam diskutiert werden hier Konzepte, Projekte und Abschlussarbeiten. Die Treffen sind offen für alle Studierenden der unterschiedlichen Semester und Studiengänge.

Mittwochs, 20.04., 04.05., 01.06., 06.07., jeweils von 10.15 – 13.30 Uhr

Raum: 0325

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Wie bewerbe ich mich um ein Stipendium Übung (Gabriele Franziska Götz, Johanna Schaffer, zu Gast: Isabelle Schulze)

Anlässlich der B.Braun Stipendien-Ausschreibungen für künstlerische Abschlussarbeiten werden wir diskutieren: wie bewerbe ich mich um ein Stipendium? Wie lese ich eine Ausschreibung? Wie sieht ein CV aus? Wie ein Portfolio? Wie ein Anschreiben? Als Gast wird zu Beginn der Veranstaltung Isabelle Schulze dabei sein, die u.a. das B.Braun Stipendium an der Uni Kassel administriert.

Dienstag 21. Juni, 13.30 – 16.30

Raum 0325

Remains. Geschichte und Vergessen am Objekt „Kunsthochschule Kassel“ (Volko Kamensky, Johanna Schaffer, Mareike Bernien)

Das zweite Semester des Projekts ‚Remains’ wird dem Herstellen gewidmet sein: wieder aufnehmen, zum ersten Mal aufnehmen, Interviews machen, Bilder vergrößern, Geschichten schneiden, Leerstellen markieren, Fülle und Mangel innerhalb dieses thematischen Rahmens montieren. Geschichte wird re-konstruiert / erzählt nicht nur über absichtsvoll erstellte Dokumente, die bereits im Moment ihrer Entstehung ihre spätere Rezeption durch nachfolgende Generationen mitdenken; sie lässt sich auch erzählen über die unwillkürliche Zeug*innenschaft vorgefundener “Überreste” (engl. remains). Diese Fragmente verweisen in einem postfaschistischen und postkolonialen Raum oft auf ein absichtsvolles Verschweigen-Wollen oder ein Vergessen-Machen, das durch strukturell begünstigte Ignoranz gestützt ist.

Auch bei der Darstellung der Geschichte einer Kunsthochschule wird häufig auf Traditionsquellen zurückgegriffen, d.h. auf Urkunden und Berichte, die in der Absicht erstellt werden, die Leser*innen über Gegenwart und insbesondere Vergangenheit zu unterrichten. Wendet man sich hingegen den oft übersehenen, wenn nicht vergessenen Überresten zu– oder besser noch: stößt sich an ihnen – so zeigt sich mitunter plötzlich ein maßgeblich anderes Bild vergangener und gegenwärtiger Realitäten.

Das Projekt ist für zwei Semester angelegt. Die im Verlauf entstehenden Arbeiten sollen in einer Ausstellung präsentiert werden.

Dienstags, 19.04., 03.05., 17.05., 31.05., 14.06., 28.06., 12.07., jeweils von 14.00 17.00 Uhr

Raum 0232 (Atrium)