remains_2

Remains. Geschichte und Vergessen am Objekt „Kunsthochschule Kassel“

Ausstellung während des Rundgangs 2016, Raum 0232 (Atrium)

Geschichte wird re-konstruiert / erzählt nicht nur über absichtsvoll erstellte Dokumente, die bereits im Moment ihrer Entstehung ihre spätere Rezeption durch nachfolgende Generationen mitdenken; sie lässt sich auch erzählen über die unwillkürliche Zeug*innenschaft vorgefundener “Überreste” (engl. remains). Diese Fragmente verweisen in einem postfaschistischen und postkolonialen Raum oft auf ein absichtsvolles Verschweigen-Wollen oder ein Vergessen-Machen, das durch strukturell begünstigte Ignoranz gestützt ist. Auch bei der Darstellung der Geschichte einer Kunsthochschule wird häufig auf Traditionsquellen zurückgegriffen, d.h. auf Urkunden und Berichte, die in der Absicht erstellt werden, die Leser*innen über Gegenwart und insbesondere Vergangenheit zu unterrichten. Wendet man sich hingegen den oft übersehenen, wenn nicht vergessenen Überresten zu – oder besser noch: stößt sich an ihnen – so zeigt sich mitunter plötzlich ein maßgeblich anderes Bild vergangener und gegenwärtiger Realitäten. In eine Methodik des Herstellens übersetzt kann das heissen: wieder, zum ersten Mal aufnehmen, Interviews machen, Bilder vergrößern, Geschichten schneiden, Leerstellen markieren, Fülle und Mangel innerhalb dieses thematischen Rahmens montieren. (Arianna Waldner Bingemer, Ida Lorbach, Annika Nesheim, Sevda Güler, Volko Kamensky, Johanna Schaffer, Mareike Bernien, Jan Peters)

Das zweisemestrige Projekt ist eine Zusammenarbeit der Arbeitsbereiche Theorie & Praxis der Visuellen Kommunikation und Film und bewegtes Bild.

Arianna Waldner Bingemer (2015): Kassel, 9.12. // 7:51 min, digitale Doppelprojektion, linke Seite: Adolf Winkelmann „Kassel 9.12.67 11:54h“,
16 mm digitalisiert, Quelle: https://www.youtube.com/ watchßv=NvYcP7EP9-0; rechte Seite: Smartphone-Video

Sevda Güler (2016): Substanz // Sieben Schneekugeln mit verschiedenen Materialien: Entenfedern, Glas, Stahl, Beton, Gras und Text

Ida Lorbach (2016): Grundlehre (Faltblatt) // U.a. mit Textauszügen aus dem Film „Werkkunstschulen in Hessen“ von Ingeborg Euler, ca. 1963

Ida Lorbach (2016): Grundlehre (Performance am 15.7. und 16.7.2016, jeweils um 15h) // Sprecher*innen: Charlotte Hermann, Jacob Höfle, Yuyen Lin, Melanie Mendetzki, Cilian X. Woywood

Annika Nesheim (2016): Mit freundlichen Grüßen // Kopien von 22 Originaldokumenten aus den 1960er Jahren, 29,7 x 21 cm, dünne Metallnägel Auswahl vom Briefwechsel zwischen abgelehnten Bewerber*innen und der Werkkunstschule Kassel, vervielfältigt zu 550 Briefen (jeweils 25 Kopien vom Original), die während des Rundgangs an Ausstellungsbesucher*innen verteilt werden

Arianna Waldner Bingemer und Franziska Wank (2016): 5h30 // 4:35 min, 16 mm Film, Analoge Loop-Projektion

Ida Lorbach und Volko Kamensky (2016): ca. 1957 // Installation mit Stellwand, Rahmen, Radierungen, Topfpflanze. Maße variabel

Fotos: Sevda Güler