kathamruthcawmruthcaW 3 (performative Webausgabe)

“mruthcaW” bedeutet rückwärts gelesen Wachturm und zitiert damit den Titel des Magazins der Zeugen Jehovas. Die Zine-Reihe, die ich noch während meines Studiums begonnen habe, war von Anfang an auch als Plattform gedacht, um die Möglichkeiten des Formats Zine/Magazin zwischen Raum, Print und Online-Medien zu erforschen. Dieser Anspruch wird in der aktuellen Ausgabe, die sich auch im Druck vom klassischen Heft weg bewegt, bis jetzt am konsequentesten umgesetzt. MruthcaW 3 wird von Catalina Acosta und mir herausgegeen, ist der Dekonstruktion von Heiligentmotiven und Märtyrer*Innentum gewidmet, und enthält neben Beiträgen der Redakteur*Innen Arbeiten von “die Wiese der Lust”, Aiko Okamoto, LibrĀh, woo-man-gang und Agnes Augustus.
Katharina Röser hat in Kassel visuelle Kommunikation studiert und lebt und arbeitet als freie KünstelrIn in Leipzig. 2017/18 arbeitet sie als Meisterschülerin mit Johanna Schaffer, Aisha Franz und Lea Heinrich.

mruthcaW 3 (performative Web issue)

„mruthcaW“ if you read it backwards means „Wachturm“ ( watch tower) and thus references the German title of the magazine of the Jehova’s witnesses. MruthcaW is a series of zines that i started working on while i was still studying. From the outset, the zines were meant to be a research platform into the possibilities of the zine as a format defined through space, print and online media. The most recent issue pushes this research forcus forward in moving far away from the idea of a printed booklet. Catalina Acosta has now joined me as editor for mruthcaW 3, which is dedicated to the deconstruction of matyr and saint motifs and will also show works of “die Wiese der Lust”, Aiko Okamoto, LibrĀh, woo-man-gang and Agnes Augustuss.
Katharina Röser studied visual communication in Kassel and now lives and works in Leipzig. During 2017/18 she has been working as a ‚Meisterschülerin’ with Johanna Schaffer Aisha Franz and Lea Heinrich.

ida_tupseite KopieDas Wilde

Bezugnehmend auf medial vermittelte Bilder von Sexualität inszeniere ich Motive, die sich wild oder selbstbestimmt zu bestehenden Stereotypen von Begehren verhalten. Ein weiterer Bezugspunkt ist die Arbeit feministischer Künstler*innen zu und mit gesellschaftlichen Repräsentationen von Körpern. Für meinen Ansatz konzentriere ich mich auf das Zeichnen als Verlangsamung und Reflexion von Bildern, die sensitiven Eigenschaften des Materials und das Experimentieren mit Ausstellungsdisplays.

Ida Lorbach ist 2017-18 Meisterschülerin bei Johanna Schaffer, Theorie und Praxis der Visuellen Kommunikation und Johannes Spehr, Bildende Kunst. www.idalorbach.de

Foto: Nicolas Wefers. Installationsansicht, documenta-Halle Kassel, Das Wilde, Ida Lorbach, 2017

The Wild

Referring to images of sexuality conveyed in the media, I stage motives that rearticulate stereotypes of desire in a wild, decidedly idiosyncratic way. Further points of reference are works by feminist artists on cultural representations of bodies. I focus on slowing down perception in order to reflect images through the medium of drawing. I try to emphasize the material´s sensitive qualities and I experiment with the display dimension of my drawings.

Ida Lorbach studied Fine Arts at Kunsthochschule Kassel. In 2017-18, she is Meisterschülerin with Johanna Schaffer, Theory and Practice of Visual communication and Johannes Spehr, Fine Arts department. www.idalorbach.de

Sorayas Zeichnung

Ein Schwarz/Weiß-Foto aus dem Jahr 1972 zeigt meine Mutter und meine Tante auf einer Hochzeitsparty in Teheran. Kurz nachdem der Fotoabzug entstand, übermalte meine Mutter die nackten Knie ihrer älteren Schwester, weil sie fand, dass das Kleid meiner Tante und damit auch das Foto so besser aussieht. Nach der islamischen Revolution 1979 wiederholten viele Menschen im Iran, vor allem viele Frauen, diese Handlung meiner Mutter. Sie allerdings taten dies aufgrund ihrer neu angenommenen religiösen und politischen Haltung.

In meinem Meisterschüler*innen-Projekt gehe ich dem persönlichen Eindruck nach, den dieses Foto auf mich macht (und beschäftige mich mit den Grenzen der Scham). Ich analysiere das von Soraya übermalte Foto und arbeite entlang ihrer Bildhandlung weiter – durch Vergrößern, Zeichnen, in Schichten aufteilen und so weiter.

Azar Pajuhandeh ist in Teheran, Iran geboren und hat an der Tehran University of Arts Produktdesign und an der KHK bildende Kunst studiert. Sie macht ihr Meisterschüler*innenjahr an der KHK 2016 bei Johanna Schaffer und Björn Melhus, unterstützt durch ein Stipendium der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Sie lebt in Berlin.

Scan / Zeichnung: Azar Pajuhandeh

RGB 

RGB ist ein technisches Experiment mit dem täglich gebrauchten RGB-System. Ein Beamer und eine Photokamera sind die Protagonisten, das sich produzierende und jeden Moment ändernde Bild das Resultat.

Kati Liebert graduated at the Kunsthochschule Kassel and was Meisterschülerin of Johanna Schaffer in 2012-13. From November 2012-March 2014 she was research assistant in the department of Theorie und Praxis der Visuellen Kommunikation.

RGB is a technical experiment that deals with RGB as a daily used system. Beamer and photocamera are its protagonists, its result is the image as a product of moment and change.

Kati Liebert ist Absolventin der Kunsthochschule Kassel und war 2012/2013 Meisterschülerin von Johanna Schaffer.Von November 2012März 2014 war sie wissenschaftliche Hilfskraft in dem Bereich Theorie und Praxis der Visuellen Kommunikation.

Foto: Kati Liebert

Freie Katze

Mein neuer Nachbar ist Veterinärarzt und hält sich sechs Katzen, von denen zwei freien Auslauf genießen. Eine ist weiß und krank. Es könnte ein Pilz sein, denn sie hat fiesen Schorf um die Nase. Die zweite ist rot-weiß getigert und sehr athletisch. Ich denke, sie ist im besten Alter, und ich denke, sie weiß das auch. Meistens sehe ich die beiden in Nachbars Vorgarten sitzen. Die athletische, rot-weiß Getigerte traut sich auch in meinen Garten hinter dem Haus. In meinem Vorgarten war sie noch nicht. Sie ist ein Alphatier – ich glaube, sie ist die Ranghöchste Katze in der ganzen Straße.

Dann ist da noch eine zweite rot-weiß getigerte Katze. Sie ist etwas übergewichtig und hat starke Probleme beim Atmen. Es wäre möglich, dass sie schon älter ist. Sie ist ein sehr zutrauliches Tier und taucht ab und an ebenfalls im Garten hinter dem Haus auf. Wo sie herkommt, weiß ich nicht. Treffen die beiden rot-weißen Katzen dort aufeinander, ist die Rangordnung sofort ersichtlich.

Die vierte Katze in der Nachbarschaft ist dunkelgrau getigert, noch sehr jung, neugierig und verspielt. Sie ist maximal ein halbes Jahr alt. Ich habe sie beobachtet, wie sie in meinem Vorgarten Käfer, Fliegen und Grashalme gejagt hat. Außerdem versteckt sie sich oft hinter der Biotonne und beobachtet Vögel. Ich denke, sie gehört den Nachbarn gegenüber, denn dort sitzt sie oft im Hof und putzt sich. Und weil die Tierwelt nunmal so funktioniert, wird sie (auch wenn, oder gerade weil sie so süß ist) regelmäßig von der arroganten Katze meines Nachbars gejagt, wenn sie versucht, die Straße in Richtung meines Grundstücks zu überqueren. Ich habe nun beschlossen, diese Demonstration von Macht durch körperliche Überlegenheit zu sanktionieren, weshalb ich selbst nun regelmäßig Nachbars rot-weiß getigerte, athletische Alphakatze von meinem Grundstück verjage oder sogar in Nachbars Vorgarten böse anschaue.

Die beiden freundlichen, aber unterlegenen Katzen genießen sowohl in meinem Vorgarten als auch hinter dem Haus schützende Maßnahmen. Ebenfalls habe ich Brekkies und Whiskas gekauft und versuche, die schwächeren Katzen körperlich aufzubauen. Ich versuche jetzt vorausschauend zu denken: Als nächstes könnte ich mir eine eigene Katze zulegen.

Danielstubenvoll.de